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Ehrlich währt am längsten...

...oder vielleicht doch nicht???

Ich bin langsam aber sicher der Auffassung, dass man mit Ehrlichkeit nicht sehr weit kommt. Nun hängt es natürlich auch davon ab, wohin man unterwegs ist... Mein "Problem" ist, dass ich ein ehrlicher Mensch bin und natürlich irgendwie davon ausgehe, dass das eben kein Problem sein sollte. Die Wahrheit zu sagen anstatt das von sich zu geben, was das Gegenüber gerne von einem hören möchte, führt allerdings oft nicht zum gewünschten Erfolg. Das kann einem sicher in vielen Fällen egal sein. Manchmal aber eben auch nicht. Nämlich dann, wenn man auf ehrlichem Wege nicht zu seinem Recht kommt - und damit meine ich nicht das Recht, was man sich einbildet, sondern das was einem zusteht. Ich hatte gerade in jüngster Zeit einige solcher zweifelhaften Erlebnisse und bin nun ernsthaft am Überlegen, mir für die Zukunft eine Taktik zu überlegen und die Ehrlichkeit in bestimmten Fällen an zweite Stelle zu setzen. Ein schönes Beispiel ist mein letztes Erlebnis...

Ich bin selbständig mit einem klitzekleinen Dienstleistungsunternehmen und führe bei meinen Kunden den Haushalt - mit allem was dazu gehört. Diese Dienstleistungen sind normalerweise längerfristig ausgelegt, bei den meisten meiner Kunden bin ich seit vielen Jahren regelmäßig tätig und verständlicherweise verlassen diese Kunden sich auf mich. Das können sie auch! Nun gibt es aber Umstände, unter denen ich nicht bereit bin, diese Tätigkeit fortzusetzen. Sollte dieser Fall eintreten, teile ich dies normalerweise mit, gebe den Wohnungsschlüssel zurück und bedanke mich für die Zusammenarbeit in der Vergangenheit. Zum Monatsende folgt dann meine Rechnung über den letzten Tätigkeitszeitraum und das war´s. Ich bin nicht angestellt, habe keine Kündigungsfristen - genausowenig wie ich Kündigungsschutz genieße. Das sind die Vor- bzw. Nachteile der Selbständigkeit. Diesen Fall hatte ich nun zu Beginn des Jahres. Ein Kunde, bei dem ich bereits seit 6 Jahren den gesamten Haushalt erledige (abgesehen von Einkaufen und Kochen) hat während des vergangenen Jahres seine Lebensumstände derart drastisch verändert, dass ich von Woche zu Woche größere Probleme hatte, dort meine Arbeit zu verrichten. Ohne ins Detail gehen zu wollen... zum Schluss war ich sehr oft einfach nur noch angewidert und mochte einfach nicht mehr. Also habe ich einen Brief geschrieben, meine Rechnung sowie den Wohnungsschlüssel beigelegt und alles in einem Umschlag in den Briefkasten geworfen. Natürlich habe ich in dem Brief nicht geschrieben, warum ich die Tätigkeit beenden möchte, sondern einfach nur, dass ich aus persönlichen Gründen von jetzt an nicht mehr dort tätig sein kann, um Verständnis bitte und mich für das Vertrauen bedanke. Da man sich eben schon lange kennt - allerdings sehr selten gesehen hat - war ich der Meinung, das sei soweit okay. Für mich wäre es im umgekehrten Fall okay gewesen! Der gute Mann meinte nun aber, er müsste beleidigt sein und beglich die Rechnung nicht. Auch nach einer freundlichen Erinnerung passierte nichts. Nun gut, dachte ich... bevor ich ein Mahnverfahren einleite will ich doch mal einen kleinen Test wagen... Ich habe also einen unformellen Brief geschrieben in welchem ich geschildert habe, dass ich aus gesundheitlichen Gründen meine Tätigkeit aufgeben musste, dass mich die Diagnose wie ein Schlag getroffen hätte, ich jetzt ganz viele Arztbesuche vor mir hätte und deshalb so kurzfristig "kündigen" musste.

Nach vorherigen 6 Wochen des Schweigens hatte ich nach diesem Brief innerhalb von 3 Tagen mein Geld auf dem Konto.

Frage... hätte ich lieber ein Mahnverfahren einleiten sollen?

Ich bin streng religiös erzogen worden (was sich seit meinem 15. Lebensjahr allerdings erledigt hat... ) und mir wurden gewisse Werte vermittelt. Unter anderem natürlich die 10 Gebote. So etwas sitzt tief und auch wenn ich jetzt meinen eigenen Werten folge, so heißt das nicht, dass ich Menschen belüge. Ich kann mich noch genau an einen der Lieblingssprüche meiner Mutter erinnern: "Zu lügen heißt, den Teufel zu Hilfe holen". Ich seh es ein bisschen anders, aber als Kind hat das natürlich funktioniert. Heute bin ich der Überzeugung, dass es sich karmisch ungünstig auswirkt, wenn ich unehrlich bin und meinen Werten gegenüber untreu werde. Ich schade mir also selber wenn ich nicht hinter dem stehen kann, was ich tue. Und zwar unmittelbar. Nun betrachte ich diesen Brief an besagten Herrn allerdings als eine Art Test. Ich wollte lediglich wissen, was passiert wenn ich ihm erzähle, was er hören möchte. Nämlich dass es NICHTS mit ihm und seinen hygienischen Zuständen zu tun hat, sondern ganz andere Gründe eine Rolle spielten. Es hat funktioniert. Ich habe mein Geld. Und er ist zufrieden.

Mich würde einfach mal interessieren was ihr so darüber denkt. Geht Ehrlichkeit vor? Um jeden Preis? Oder sollte man seine Waffen denen seines Gegners anpassen?

15.2.07 18:55
 




















zuletzt aktualisiert am 17.01.2008
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